Projektmethode

Aus DPSG-Sieg Wiki

Wechseln zu: Navigation, Suche


Methode

Altersgruppe (Stufe):
Wölflinge / Jungpfadfinder / Pfadfinder / Rover / Leiter
Gruppenphase:
Differenzierung
Ort:
Teilnehmerzahl:
5–20
Benötigte Leiter:
1–5
Zeitaufwand
- Vorbereitung:
- Durchführung:
beliebig, aber je nach Stufe mindestens 2 Std.
Kosten:
Materialien:
Kategorie:
Kategorie:Methoden
Bild

Inhaltsverzeichnis

Ziel/Zweck

Gerr nennt in seiner Einführung in die Pfadfinderpädagogik (GERR, Hans E.: Einführung in die Pfadfinderpädagogik. 2. Aufl. München: GRIN-Verl., 2009. – ISBN 978-3-640-12483-1) die Förderung der Persönlichkeit des Grüpplings als Ziel pfadfinderischer Erziehung. Aspekte dieser Persönlichkeitsförderung sind Verstand und Erkenntnis, Emotion, soziale Fähigkeiten, Selbstkenntnis und -verantwortung, Körper und Geist. Bis auf die Bereiche Körper und Geist können alle diese Bereiche in der (streng durchgeführten) Projektmethode bedient werden.

Beschreibung

Ein Projekt ist im Allgemeinen eine zielgerichtete, geplante Aktivität. Im pfadfinderischen Sinne wird ein Projekt oft mit der Phrase "gemeinsam reflektiert handeln" beschrieben. Handeln bedeutet „etwas [mit Entschlossenheit] tun“ (DUDENREDAKTION, WISSENSCHAFTLICHER RAT (Hrsg.): Der Duden in 10 Bänden. Bd. 10 : Bedeutungswörterbuch. Mannheim: Bibliographisches Institut, 1970. – ISBN 3-411-00910-1). Wenn eine Gruppe gemeinsam (mit Entschlossenheit) handeln soll, muss jedes Mitglied (idealerweise) hundertprozentig hinter dem Ziel stehen. Zur Sicherung des Gemeinschaftlichen und der Erreichung des Zieles dient die Reflexion. Sie ist der „doppelte Boden“. Meines Erachtens muss die o. g. Phrase erweitert werden, um pfadfinderische Projektarbeit abzubilden: „gemeinsam, zunehmend selbstbestimmt und zunehmend eigenverantwortlich reflektiert handeln.“ Daraus folgt in der Praxis eine Abnahme der Verantwortungsübernahme durch die Leiter zum Ende der Projektdurchführung hin (s. u.) In B.P.s Zitaten finden sich diese weiteren Aspekte wieder: Selbstbestimmtheit in „Pfeif’ auf die Regeln, probier’ es aus!“, Eigenverantwortlichkeit in „Paddle your own canoe.“

Die Projektmethode bietet eine Struktur die die Erreichung der o. g. Ziele und die Umsetzung pfadfinderischer Projektarbeit ermöglicht. Sie ist ordnungsgemäß in allen Stufen.

Vorbereitung

Die Gruppe muss durchdifferenziert sein.

Durchführung

Die Projektmethode besteht aus aufeinanderfolgenden Phasen. Die Phasen werden ständig von Animation und Reflexion begleitet. Diese sind die Werkzeuge des Leiters, die Gruppe in der Projektmethode zu halten.

„Aufgabe des Leiters ist es, die Jungen in die richtige Richtung zu begeistern.“

B. P.

Bei der Reflexion können die Beobachtung via Themenzentrierter Interaktion (TZI) und Feedback helfen. Die Verantwortungsübernahme durch die Leiter nimmt zur Planung und Durchführung hin ab und nimmt zum Projektfest hin wieder zu. Die Übergabe von Verantwortung an die Gruppe sollte verdeutlicht werden, z. B. in dem Aspekte (z. B. Zeitplanung, Moderation, Ordnung, …) auf Kärtchen der Gruppe bzw. dem Leitungsteam zugeordnet werden und im Verlauf der Methode immer mehr Kärtchen zu der Gruppe wandern. Und dann wieder zurückwandern.

Ablauf der Projektmethode und Verantwortungsübernahme durch die Leiter

Ablauf der Projektmethode inkl. Verantwortungsübernahme durch die Leiter


1. Willensbildung

Hier versucht der Grüppling, sich seiner Bedürfnisse und Interessen bewusst zu werden und diese zu formulieren. Er muss jetzt schon überlegen, wie diese während der gesamten Zeit, die für das Projekt geplant sind, aussehen werden.

Schwierig ist hier, noch keine konkreten Projektideen zu spinnen. Ein Beispiel zum Verständnis kann die Eisdiele liefern: Hat man gerade den Plan gefasst die Eisdiele zu besuchen, hat man sofort Vorstellungen, wie das Eis schmecken soll, man betreibt Willensbildung: fruchtig und mächtig muss das Eis heute sein. Das sind die Bedürfnisse. Steht man dann vor der Theke und sucht sich die zu „fruchtig und mächtig“ passenden Eissorten Zitrone und Stracciatella aus, sind dies konkrete Ideen.

Tatsächlich könnte ein Ergebnis der Willensbildung sein: „Ich will mich bewegen, aber keine sportlichen Höchstleistungen vollbringen, und basteln.“

2. Ideenfindung

Das ist die Phase, in der alles gesammelt wird, was den Grüpplingen bei der Frage, was das Ziel ihres Projektes sein könnte, in den Kopf kommt. Es ist alles erlaubt. Es muss jede Idee, jedes Ideen-Fragment protokolliert werden, alles ist wertvoll, da aus allem neue Ideen entstehen können. Diese Phase ist strikt von der Entscheidung zu trennen.

Hier werden einschlägige Methoden zur Ideenfindung, wie z. B. „Drei-Stühle-mit-drei-Begriffen“, genutzt. Wollen die Leiter eigene Entwickeln, müssen darin folgende Instanzen enthalten sein: Protokoll, Moderation, Gruppe, Animation, Assoziation.

3. Entscheidung

Hier versucht sich die Gruppe für ein Ziel zu entscheiden. Da gemeinsam (s. o.) gehandelt werden soll, ist das hehre Ziel, diese Entscheidung als Konsens zu treffen.

Ein Konsens bedeutet, dass alle exakt einer Meinung sind. Hier bedeutet das, dass eine Projektidee, für die sich entschieden wird, alle Bedürfnisse und Interessen aus der Willensbildung aller Grüpplinge enthalten muss.

Realistisch ist ein Konsens nicht, da Menschen sich selbst nicht ausreichend verstehen und nicht ausreichend präzise kommunizieren können. Aber es sollte das Ziel der Leiter sein, Gruppe möglichst nah an einen Konsens heranzuführen. ACHTUNG: Wenn sich Grüpplinge in einem solchen Entscheidungsprozess selbst vertreten müssen, ist dies sehr, sehr lehrreich für den einzelnen Grüppling. Andererseits kann es zu Diskussionen kommen, die so langwierig sind, dass jegliche Motivation zur Projektmethode der Teilnehmer gekillt wird. Die Aufgabe des Leiters ist es, die Gruppe geschickt entlang des schmalen Grates zwischen Annäherung an den Konsens und Motivation zu führen. Mit jeder folgenden Projektmethode kann es möglich sein, dem Konsens näher zu kommen.

Nähe verschiedener Arten von Entscheidungen zum Konsens
Nähe verschiedener Arten von Entscheidungen zum Konsens
Kompromissarten
Kompromissarten
Unterstützung durch die Leiter

Die Entscheidungsfindung ist z. B. durch …

  • … Struktur (z. B. erste Entscheidung in Sippen, dann sippenweise tolle Präsentationen in Großgruppe, dann entgültige Entscheidung in Großgruppe), …
  • … Visualisierung (z. B. jede zur Diskussion stehende Position wird durch einen Gegenstand dargestellt, jeder Teilnehmer positioniert sich entsprechend seiner aktuellen Meinung zu den Gegenständen im Raum), …
  • … Moderation, …

… alterstufengerecht zu leiten.

Die Gruppe sollte ihre Entscheidung als Ziel schriftlich festhalten. Animativ könnte man das als Vertragsabschluss aufpeppen.

4. Planung und Durchführung

In dieser Phase findet das eigentliche Projekt statt.

Unterstützung durch die Leiter
  • Beibringen von Methoden wie Planungsraster, Flussdiagramm
  • erfahrener Blick auf Probleme bei Anfrage
  • Stoppen bei Gefahr

5. Projektfest

Diese Phase dient dem Lob der Gruppe durch die Leiter. Egal, wie gut oder schlecht die Gruppe im Projekt und den vorhergehenden Phasen gearbeitet hat, egal, ob sie ihr Projektziel erreicht hat: sie wird belohnt. Auch Misserfolge sind gut und wichtig, weil jeder von diesen lernen kann.

Unter „Fest“ ist nicht zwangsläufig eine wilde Party gemeint. Wenn es den Leiter eher zu Gesicht steht, jedem Grüppling eine schöne Postkarte zu schenken, ist auch das ein Projektfest. Es geht um eine wohlwollende Aufmerksamkeit.

6. abschließende Reflexion

In der abschließenden Reflexion geht es um einen kritischen Rückblick auf bisherigen Phasen und um Schlussfolgerungen und zukunftsorientierte Problemlösungen daraus.

Schwierigkeiten (zu beachten)

Die Projektmethode geht von Idealen aus: Willensbildung, obwohl man sich selbst nicht ausreichend versteht, Konsens, obwohl unmöglich. Es ist schwer das, was die Gruppe maximal erreichen kann zu erkennen und zu honorieren.

Die begleitende Animation kann (theoretisch) manipulieren. Hann isch evver noch nie erlebt.

Schwer ist es auch, sich als Leiter mit seinen eigenen Bedürfnissen und Projektideen zurück zu halten und die Gruppe diesbezüglich nicht nicht zu beeinflussen. Auch in der Praxis nötige Rahmenbedingungen wie Zeit und Ort können schlecht formuliert manipulieren: „Gestaltet den Abend!“ (führt zur Projektidee „bunter Abend“) vs. „Zur Projektplanung und -durchführung steht euch am Freitag die Zeit zwischen 20 und 24 Uhr zur Verfügung!“

Erfahrungsbericht

Schwere aber sehr effektvolle und für die Grüpplinge abenteuerliche Sache.

Ansprechpartner (Hilfe)

ausbildung@dpsg-sieg.de

Persönliche Werkzeuge
Buch erstellen